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11.12.2017
27.04.11

Küng fordert echte Kirchen-Reformen statt schöner Reden

Kategorie:
Nachrichten, Na Kirche im 21. Jahrhundert, Na Restauration in der kath. Kirche, Na Nachrichten, Na Ökumene

von Marc Herwig

Der katholische Theologe Hans Küng fürchtet, dass der von den Bischöfen angestoßene Reform-Dialog zum «Placebo für's Kirchenvolk» werden
könnte. Dass die Bischöfe eine Abschaffung des Zölibats oder die Öffnung des
Priesteramts für Frauen von vornherein ablehnen, sei ein großes Problem. «Wenn man gerade die dringendsten Reformen aus dem Dialog ausschließt, braucht man den Dialog gar nicht erst zu beginnen», sagte der 83-Jährige in Tübingen der Nachrichtenagentur dpa. Mit Blick auf den Papst-Besuch im Herbst forderte er Benedikt XVI. auf, «außer den gewohnten schönen Reden über Gott und die Welt endlich Reformimpulse für die katholische Kirche und die Ökumene in seinem Reisegepäck» mitzubringen.


Solange sich die Bischöfe auf den Standpunkt stellten, dass die Gläubigen zwar
über alles reden dürften, die Entscheidungsbefugnis aber allein den Bischöfen und dem Papst zukomme, habe der Dialogprozess keinen großen Wert. Dann würden sich die Gläubigen «um die Früchte des Reformdialogs betrügen lassen», sagte Küng. «Das Kirchenvolk und die Mehrheit des Klerus haben die ständig gleichen Ausreden und Ausflüchte der Hierarchen schon längst satt und erwarten besonders nach dem Versagen des Episkopats in der Missbrauchsaffäre klare, konstruktive Antworten.» Manches, was konservativen Bischöfen nicht einleuchten wolle, sei «für das Volk schon längst sonnenklar: Etwa dass es verheiratete Priester geben darf», sagte Küng.


Den Dialogprozess hatte die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer
Frühjahrskonferenz in Paderborn ins Leben gerufen. Als Reaktion auf Kritik,
Mitgliederschwund und Priestermangel soll es in den nächsten vier Jahren einen Austausch mit den Gläubigen über Reformen in der Kirche geben.
Mit Blick auf den Besuch des Papstes im September in Berlin, Erfurt und Freiburg
forderte Küng von seinem früheren Tübinger Professoren-Kollegen Joseph Ratzinger ein deutliches Zeichen für die Ökumene: «Es wäre an der Zeit, dass der Papst gerade in Erfurt die Exkommunikation Luthers aufhebt und gleichzeitig die von vielen ökumenischen Kommissionen empfohlene Anerkennung evangelischer Kirchenämter und Abendmahlsfeiern verkündet.»


Der deutsche Papst erfahre sechs Jahre nach der «"Wir-sind-Papst"-Welle» in
Deutschland nur noch wenig Zustimmung. Von den beim Besuch des Pontifex zu
erwartenden vielen «Jubel-Katholiken» und «Benedetto-Rufern» dürfe man sich nicht blenden lassen, sagte Küng. Die Kirche zeige dort wieder einmal «eine prächtige römisch-katholische Fassade, hinter der es aber allenthalben bröckelt». Vor einem Monat hatte der emeritierte Tübinger Theologie-Professor sein Buch «Ist die Kirche noch zu retten?» veröffentlich. Die 50 000 Exemplare umfassende 1. Auflage ist nach Angaben des Verlags bereits ausverkauft. Vor allem Papst Benedikt XVI. und dessen Vorgänger Johannes Paul II. warf Küng darin vor, die Kirche immer weiter von den biblischen Geboten Jesu entfernt zu haben. Nur eine radikale Reform könne der Kirche helfen: Weniger Papst, mehr Jesus. Jetzt sei die Kirchenhierarchie gefordert, eine «öffentliche, inhaltlich konkrete Antwort» auf dieses Reformprogramm zu geben, forderte Küng. Die Millionen von Katholiken, die solche Reformen ebenfalls wünschen, haben ein Recht darauf, dass die Bischöfe nicht nur reden, sondern sagen, was sie tun wollen.»