Logo: Münnerstädter Kreis
11.12.2017

"Wieviel Gemeinde brauche ich - welche Gemeinde brauche ich?"

Um überhaupt zum Ansatz einer Antwort kommen zu können, braucht es eine Rückschau auf meine bisherigen Gemeinde-Erfahrungen:

Meine Gemeindewurzeln:

Auf intensive Gemeindeanbindung an meine Heimatgemeinde (Kinderchor, Kirchenchor, Jugendarbeit, Eine-Welt-Arbeit ...) folgte dann Jugendverbandsarbeit auf Dekanats-, Landkreis- und Diözesanebene - Kirche und Glauben konnte ich dabei - nicht als Konkurrenz zur Gemeinde vor Ort - aber durchaus auch anders und eben nicht nur dort intensiv erleben und mitgestalten.

Meine neue Wohnortgemeinde wird nicht "meine" Gemeinde:

Nach dem Studium neuer Wohnort und Einstieg als hauptberufliche Mitarbeiterin in der Kirche: schnell zeigt sich - Trennung von Beruf und Privatleben ist absolut wichtig für mich- um Abstand, Aus-Zeiten zu haben, und ich kann und möchte nicht auch nach einem intensiven Arbeitstag verzweckt und verpflichtet werden, dass ich mich genau hier, in meiner Wohnort-Gemeinde doch zu engagieren habe. So werden zur (Gottesdienst-)gemeinde abwechselnd verschiedene Gemeinden.

Neue Wurzeln in einer ganz anderen Gemeinde:

Eine neue Gemeinde - "meine" Gemeinde - finde ich nach jahrelangem dienstlichem Projektkontakt in einer anderen Gemeinde. Irgendwann ist es mir klar und auch möglich, weil es einfach stimmig ist: ich sage ja zur Anfrage für ein Ehrenamt - Firmkurse für Jugendliche über 16 - für "meine" Jugendlichen in "meiner" Gemeinde mit zu leiten, weiterzuentwickeln. Auch wenn ich in der Gemeinde nie gewohnt habe (und auch heute nicht wohne), das war es - es hat einfach gestimmt, dort war meine Gemeinde!

Ehrenamt auf Zeit - von mir so formuliert, von Anfang an akzeptiert, meine Kompetenzen waren aufrichtig gefragt! Ein weiteres Ehrenamt auf Zeit in einem Trägerverein in der selben Gemeinde - ebenfalls unter diesen Rahmenbedingungen - auf Zeit, mein Ja begrüßt, mein "Nein - jetzt ist es nicht mehr machbar" bedauert, aber akzeptiert!!!! Dieses Gefühl dazugehören, sich einbringen zu können aber auch ebenso frei zu entscheiden was weiter und was nicht (mehr) tun, das lässt mich immer wiederkommen - und klar freue ich mich, wenn ich noch angesprochen werde, "schön, Sie sind auch einmal wieder bei uns!"

Brauche ich sie jetzt, eine Gemeinde?

Ja, diese Gemeinde schon - ich fühle mich sofort bei den beruflich wie privat bedingt sporadischer gewordenen Kontakten wieder vertraut mit "meiner Gemeinde" in den Gottesdiensten usw.; vertraute Gesichter gehören dazu - genauso aber würde ich sagen, ich habe auch noch andere Gemeinden: in meinen verschiedenen hauptberuflichen Situationen mit Gruppen, Kreisen und Verbänden.

Gemeinde vor Ort brauche ich aber gerade nicht, auch wenn ich die Lebensraumnahe Präsenz von Kirche absolut bejahe - der Radius meiner Lebens- und Glaubensräume liegt im Moment einfach weitgehend außerhalb meiner Wohnort-Pfarrgemeinde bzw. der zukünftigen Pfarreiengemeinschaft - wenn sich dieser Radius einmal verändern würde, würde die Antwort möglicherweise anders ausfallen - aber sicherlich immer mit dem Bedürfnis und den Rahmenbedingungen wie ich sie für "meine" Gemeinde beschrieben habe.

jaxm