Logo: Münnerstädter Kreis
27.05.2020
02.10.05

Stellungnahme des Münnerstädter Kreises zur Frage der Predigt von Laien

Kategorie:
Na Restauration in der kath. Kirche, Na Würzburger Synode und Restauration

von hshkcs

Die Entstehungsgeschichte des MüKr ist mit dieser Frage verknüpft.
Unser Zusammenschluss erfolgte als Solidaritätsbündnis für eine basisbewegte Kirche gemäß dem im II. Vatikanischen Konzil und in der Würzburger Synode aufscheinenden Verständnis der »Kirche als Volk Gottes«, welches zunehmend das hierarchische Kirchenbild überflüssig machen sollte.

1. Der MüKr wendet sich gegen restaurative Tendenzen in der Kirche

und setzt sich für die Verwirklichung der Konzils- und Synodenbeschlüsse ein. Das 1983 durch das neue Kirchenrecht erlassene Predigtverbot für Laien in der Eucharistiefeier sehen wir ebenso wie die 1987, 1997 und 2004 erfolgten Verlautbarungen des Vatikans als Rückschritt hinter die genannten Beschlüsse. Um den Dialog mit der Kirchenleitung zu führen und eine möglichst breite Allianz von engagierten ChristInnen, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in den Gemeinden, hauptberuflich in der Kirche arbeitenden Laien und Priestern zu erreichen, wurde 1983 nach dem Ort seiner Gründungsversammlung der »Münnerstädter Kreis« gegründet.
Wir engagieren uns nach wie vor
- für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche,
- für eine echte Verantwortung der Laien in der Kirche,
- für die Demokratisierung der Kirche in allen Bereichen, in denen es nicht um Glaubensfragen geht,
- für eine klare Option der Kirche für »Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.«

2. Auf der rein kirchenrechtlichen Ebene gibt es in der Tat wenig Spielraum.

Bei aller Betonung des Dialogs und des »Im Gespräch bleiben«-Wollens ist vermehrt das Zurückdrängen von Laien aus der Verantwortung und der Mitwirkung bei der Liturgie zu erkennen (z. B. auch bei Kommunionhelfern; die »Warteliste« der WoGodi-LeiterInnen, die gar nicht zum Einsatz kommen; ...). Die Verantwortung wird zurückgenommen auf das Niveau eines »allenfalls Vorbereitens/Zuarbeitens«; so können Laien Homilien und qualifizierte Predigten jeder Art konzipieren (vgl. Fachzeitschriften/liturg. Hilfen), welche dann von homiletisch weniger qualifizierten/ambitionierten Zelebranten `abgekupfert` in der Eucharistiefeier zum besten gegeben werden!
Die Berufung auf weltkirchliche Regelungen lässt jegliche Wertschätzung der bisherigen Praxis vermissen, die in keinem Fall von etwaigen antirömischen oder antibischöflichen Effekten motiviert war, sondern von der Sorge um eine zeitgemäße und menschenfreundliche Verkündigung der frohen Botschaft. Hierzu wurden Laien ausdrücklich von Priestern ermutigt und über viele Jahre auch entsprechend ausgebildet. Auch in diesem Bereich ist so etwas wie »Vertrauensschutz« gefragt. Jetzt müssen »Wohlmeinende« mit Denunziation und disziplinarischen Maßnahmen rechnen.
Wenn das erste und oberste Ziel des Kirchenrechts die »cura animarum«, das »Heil der Seelen« ist und bleiben soll, dann können der Auftrag des »aggiornamento«, d.h. einer zeitgemäßen Verkündigung des Evangeliums und die pastoraltheologischen, aber auch die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nicht einfach außer Acht gelassen werden.
Es existiert in verschiedenen weltkirchlichen Regionen durchaus eine differenzierte Praxis im Umgang mit kirchenrechtlichen Vorgaben; das weiß man auch in Rom, selbst wenn man daraufhin nicht so reagiert wie in den römischen Verlautbarungen/Instruktionen, welche vorwiegend auf die deutsche Kirche (vielleicht noch Österreich, Schweiz und Holland) gemünzt sind.


3. Wahrnehmungen aus Pfarreien und Berufsverbänden ...

- Für einen Großteil der Menschen sind die - aus ihrer Sicht - innerkirchlichen (Konflikt-)Themen wie z.B. jetzt erneut das Predigtverbot oder generell die Mitwirkung von Laien als verantwortliche MitarbeiterInnen längst überholt oder lediglich eine Bestätigung für ihre Abwendung. Nach ihrer Ansicht bleibt Kirche »von gestern« und hinkt der gesellschaftlichen Realität hinterher.

- Diese Entwicklung verstärkt tragischerweise wieder mal den Eindruck der meisten Menschen, dass Kirche in erster Linie Organisation, Verwaltung und Bürokratie ist.

- Engagierte ChristInnen geraten in eine Zwickmühle: ihr Selbstverständnis als ChristInnen basiert auf einem Kirchenbild, dem zunehmend die Legitimation entzogen wird. Damit wird ihre Grundmotivation in Frage gestellt. Einerseits werden »mündige ChristInnen« und die »selbst sorgende Gemeinde« propagiert und die Verantwortung aller für das Wohl der Kirche betont, andererseits wird erneut eine innerkirchliche Zwei-Klassen-Gesellschaft restauriert und das Trennende zwischen Laien und Klerikern betont. Immer noch sind die Pfarrgemeinderäte lediglich beratende Gremien und der zunehmende Verdruss und Rückzug der dort Engagierten sollte den Verantwortlichen zu denken geben.

- Die Zwickmühle verschärft sich für diejenigen, die hauptberuflich im kirchlichen und noch spezieller im pastoralen Dienst tätig sind. In der Predigtfrage führt diese Zuspitzung zu einer Zerreißprobe zwischen der Loyalität mit dem Bischof, den eigenen Grundüberzeugungen (Berufung / bisherige verantwortete Praxis) und den Erwartungen der Gemeinde (deren Frustrationstoleranz inzwischen erschöpft ist und die die Mitarbeit großenteils aufkündigt).

- Die Berufsverbände der Gemeinde- und PastoralreferentInnen sitzen stellvertretend für viele engagierte ChristInnen »zwischen den Stühlen«.

- Die kirchenrechtliche Ebene dominiert die pastoralen Bemühungen. Einerseits soll die Eucharistiefeier der Mittel- und Höhepunkt des gemeindlichen Lebens sein, andererseits wird gerade deren Gestaltung auch als Feier des Lebens der Anwesenden zunehmend restriktiv geregelt. Was viele Kirchenbauten in ihrem äußeren Erscheinungsbild verdeutlichen, nämlich die Versammlung der Gläubigen um den Tisch des Herrn, wird in der Konzentration der Handlungsanteile auf eine Person, nämlich den Priester, konterkariert.