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31.05.2020
17.02.06

Bischöfe höchst besorgt über gesellschaftliche Randlage der Kirche

Kategorie:
Na Kirche im 21. Jahrhundert

von mh

Drei Kommissionen der Bischofskonferenz beraten über eine Studie des Heidelberger Marktforschungsinstituts "Sinus". Ergebnis der Studie: Die Katholische Kirche kann sich nicht mehr als Volkskirche bezeichnen, denn sie ist in den meisten Gruppen der Bevölkerung nicht mehr beheimatet. Die Bischöfe zögern mit der Veröffentlichung der Studie, weil die Inhalte von hoher Brisanz sein müssen. Dass die jüngere und mittlere Generation in den Gottesdiensten fehlt und Kinder nach der Erstkommunion nicht mehr in der Kirche zu sehen sind, weiß man seit langem. Was die Forscher den Kommissionen der Bischofskonferenz deutlich gemacht haben, sind die tiefen Gräben, die die Kirche von den meisten Bevölkerungsgruppen trennen. Deshalb ist es gar nicht selbstverständlich, dass die Kirche Zugang vor allem zu den jüngeren Milieus bekommt. Denn Sinus zählt nicht nur das Alter der Gottesdienstbesucher, sondern kann Auskunft geben über die Lebenssicht, die Wertvorstellungen und die Erwartungen der verschiedenen Gruppen der Bevölkerung. Diese Informationen gaben Mitarbeiter der Mediendienstleistungsgesellschaft des Verbandes der Diözesen und der katholischen sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm beim 5. Honnefer Öffentlichkeitsforum, das am 19. und 20. Januar durchgeführt wurde. Das Forum selbst war nicht von Pessimismus geprägt, denn die jüngeren Bevölkerungsgruppen sind wieder stärker an Religion interessiert. Die Arbeitsgruppe Wertorientiertes Qualitätsmanagement konnte eine Methodik vorstellen, wie Kirchengemeinden und die neuen Seelsorgsbereiche einzelne Gruppen in der Bevölkerung gezielt für Fundraising, Gewinnung von Ehrenamtlichen und einen Aufenthalt im Kloster ansprechen kann, die bisher nicht erreicht werden. Die Microm GmbH, Neuss, stellte eine Straßenkarte des Pfarrverbandes Bad Honnef vor, auf der verzeichnet ist, welche Bevölkerungsgruppen im Pfarrverband wohnen. Von den 10 sog. Sinus-Milieus (http://interner Link folgtwww.sinus-sociovision.de/) gibt es immer nur einige, die in einem bestimmten lokalen Umfeld anzutreffen sind. Für die pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bieten solche Karten, die für jede deutsche Gemeinde angefertigt werden können, die Möglichkeit, sich auf einige wenige Bevölkerungsgruppen zu konzentrieren, deren Kultur kennenzulernen und sie in ihrer Sprache anzusprechen. In Zukunft wird die Seelsorge zielgruppenorientiert sein müssen, das ergab das abschließende Podium des Forums. Für Priester, Pastoral- und Gemeindereferentinnen bedeutet das eine wirkliche Entlastung. Sie müssen nicht mehr allen etwas bieten, sondern können sich auf einzelne Bevölkerungsgruppen spezialisieren. Wilfried Günther, Geschäftsführer der Mediendienstleistungsgesellschaft, stellte in Aussicht, dass die Ergebnisse, die auf dem Forum eigentlich hätten präsentiert werden sollen, von der Bischofskonferenz Mitte Februar zugänglich gemacht werden. Seelsorgsämter und Personalabteilungen der Bistümer wie auch Bildungswerke haben dann eine Planungsgrundlage, die sie Mithilfe des Microm-Instituts auf die einzelnen Wohnviertel herunterbrechen können.

Was sind die sog. Sinus-Milieus?

Für 2005 werden von Sinus 10 verschiedene Bevölkerungsgruppen genannt, die sich in ihren Lebensvorstellungen, in ihrem Konsumverhalten und ihren Wertvorstellungen unterscheiden. Über die Zugehörigkeit zu einem dieser kulturellen Lebenskreise entscheidet weniger das Alter als bestimmte Grundhaltungen. So gibt es unter der jüngeren Bevölkerung die sog. "modernen Performer" die leistungsorientiert sind und die neuen Medien nutzen. Die "Postmateriellen", sind kulturell sehr interessiert, haben viele Kontakte, stehen aber der Globalisierung und dem liberalen Modell des Marktes skeptisch gegenüber. Die Experimentalisten sind eine dritte Gruppe, die sehr beweglich ist, vieles ausprobiert, auch Lebensstile und an spirituellen Fragen interessiert ist. Die kurze Beschreibung zeigt, dass der Zugang zum Religiösen bei diesen drei Gruppen sehr verschieden ist und die sich nicht von dem Gemeindeleben angesprochen fühlen können, das nach Erkenntnis der Studie von der "Bürgerlichen Mitte" dominiert wird.

(Tagungsbericht: kath.de)