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31.05.2020
17.09.06

Toleranz ist gefragt

Kategorie:
Na Toleranz - Gewissen

von reinhold nöth

Donum vitae und die Kirche

Seit Jahren schwelt der Konflikt um die Schwangerschaftskonfliktberatung. Viele deutsche Bischöfe sahen ihre christliche Aufgabe darin, ungewollt schwangere Frauen in ihrer schwierigen Situation nicht allein zu lassen und richteten kirchliche Beratungsstellen ein, wie es das staatliche System nun einmal erforderte.

Vor sechs Jahren mussten die Bischöfe - einige trotz heftigem Widerstand - auf Befehl des Papstes aus dieser Beratung aussteigen. Kirchlich engagierte Laien gründeten den Verein "Donum Vitae", der die Beratung aus christlicher Verantwortung erfolgreich fortsetzt. Jetzt droht diesen engagierten Katholiken Ärger in ihrer Kirche: "Personen, die im kirchlichen Dienst stehen, ist eine Mitwirkung bei Donum Vitae untersagt" heißt es in einer Erklärung der deutschen Bischöfe, die auf Wunsch bzw. sanften Druck des Papstes jetzt veröffentlicht wurde. Denn, so die Begründung, das kirchliche Zeugnis gegen die Abtreibung dürfe nicht "verdunkelt" werden.

Jetzt haben bekannte Politiker, die seit Jahren für ihre christliche Überzeugung eintreten, in einem "Zwischenruf" offen Kritik an dieser Erklärung der Bischöfe geübt und die Arbeit von Donum Vitae verteidigt. Denn auch Donum Vitae handelt aus christlicher Verantwortung mit der gleichen Zielsetzung wie der Papst und die Bischöfe, nämlich möglichst Abtreibungen zu vermeiden. Und die Zahlen geben dem Verein Recht. Über 5000 Abtreibungen konnten durch die Beratungsarbeit allein in Bayern verhindert werden, während kirchliche Beratungsstellen von Frauen, die an eine Abtreibung denken, kaum noch aufgesucht werden. Machen es sich die Gegner von Donum Vitae nicht einfach zu leicht, indem sie ihre Hände in Unschuld waschen und sich gar nicht auf eine Lösung des Problems einlassen? Christliches Handeln erfordert den konkreten Einsatz dort, wo Menschen in Not geraten sind. Deshalb gebührt jenen Männern und Frauen Respekt und Hochachtung, die hier ihrem Gewissen folgen und sich auch nicht von oberhirtlichen Sanktionen abhalten lassen, das in ihren Augen Wichtige und Richtige zu tun. Es ist bedauerlich, dass die kirchlichen Amtsträger einer ehrlichen Gewissensentscheidung als oberster Instanz für sittliches Handeln so wenig Toleranz entgegenbringen.