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27.05.2020
07.09.07

Zeichen der Solidarität

Kategorie:
Na Röm.-kath. Kirche

von fr

Brief des Pfarrgemeinderats von St. Jakobus, Wü-Versbach, an die Pfarrer und den Kirchenvorstand der ev. Hoffnungskirche, Wü-Versbach

Liebe Geschwister im Glauben!

Wieder einmal hat der Vatikan deutlich gemacht, was seiner Ansicht nach wesensgemäß zur katholischen Kirche gehört und was den anderen christlichen Kirchen abgeht und was sie daher definitorisch vom Kirchesein ausschließt (die apostolische Sukzession und das Amtsverständnis). Der Pfarrgemeinderat von St. Jakobus in Versbach möchte Ihnen, liebe Mitchristen der Hoffnungskirche, versichern, dass wir diese Abwertung nicht mitmachen und Sie nach wie vor als geschwisterliche Kirche hochschätzen.

Nach langen Jahren der gegenseitigen Anfeindungen unserer Konfessionen ist uns heute wieder klar: Wir - (röm.-)katholische und evangelische Christen - sind durch den einen Glauben (s. das eine Glaubensbekenntnis), die eine Taufe auf unseren Herrn Jesus Christus und die eine Heilige Schrift zutiefst als Geschwister im Glauben verbunden. Wir alle sind durch Gottes Gnade Kinder Gottes und Miterben Christi geworden und gehören zur großen Gemeinschaft der Heiligen, der "einen, heiligen, katholischen (kath. meint hier nicht eine bestimmte Konfession, s. dazu Ev. Gesangbuch S.1549) und apostolischen Kirche", wie es unser gemeinsames Glaubensbekenntnis formuliert.

Angesichts dieser fundamentalen Gemeinsamkeit gibt es nach allgemeiner theologischer Ansicht auch in Detailfragen heute keinen schwerwiegenden kirchentrennenden Grund mehr außer dem vom römisch-katholischen Lehramt unserer Ansicht nach überbetonten Amtsverständnis, das biblisch in dieser Art nicht nachweisbar ist, sich vielmehr der Tradition verdankt und sich vielfach verändert hat. Wir können nicht akzeptieren, dass dieses Amtsverständnis als Grund dafür dient, unsere Geschwisterkirchen in ihrem Kirchesein abzuwerten. Für uns ist Ihre Kirche nicht weniger Kirche als die unsere in der einen Kirche Christi (s.o.).

Wir als katholische Christen schätzen die Reichtümer in Wort und Sakrament unserer röm.-kath. Kirche hoch, fühlen uns und unsere Kirche aber auch durch die in den evangelischen Geschwisterkirchen gewachsenen Schätze des Glaubens bereichert und ergänzt. Wir katholische Christen des Pfarrgemeinderats von St. Jakobus sind froh darüber, dass wir vor Ort die grundlegende Gemeinsamkeit mit Ihnen, den Christen der evangelischen Kirche, in vielfältigen Begegnungen sehen und erleben können.

Diese Gemeinsamkeit zwischen (röm.-)katholischen und evangelischen Christen wird schon längst von großen Teilen des Volkes Gottes erfahren und in selbstverständlicher und geschwisterlicher Verbundenheit praktiziert. Wir sind traurig, dass unsere Oberhirten und der Vatikan so fern von uns, dem Volk Gottes, sind, die Zeichen der Zeit unserer Ansicht nach nicht verstehen und uns mit Gründen, die nicht dem Geist Jesu entsprechen, zu hindern suchen, die grundlegende Einheit -bei aller konfessionellen Verschiedenheit- im Alltag des Glaubens und in der Feier der Eucharistie zu praktizieren.

Judith Jörg, Otto Meixner, Frithjof Ringler
(Vorsitzende des Pfarrgemeinderats)