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30.05.2020
26.09.07

Reanimation des nachtridentinischen Priesterbildes

Kategorie:
Na Messe

von Frithjof Ringler

Zum Motu proprio »Summorum Pontificum«

Auf den ersten Blick scheint der Erlass nur ein Zugeständnis an die kleine Gruppe der Traditionalisten und mit dem Latein der Liturgie verbundenen Ästheten zu sein. Ein zweiter Blick verrät indes, dass mehr dahinter steckt und dass das die ganze Kirche angeht; dazu im Folgenden:

Wesentlich erscheint mir

1. Das Priesterbild meint den sakralen Priester als den in die Heilige Liturgie Eingeweihten, der die Vollmacht besitzt, mit den magisch verstandenen Wandlungsworten das Brot, das er in seinen geweihten Händen hält, in den Leib Christi zu verwandeln. (Haben wir dieses Priesterbild nicht schon erlebt? So lange ist das gar nicht her.) Dies wird gestützt durch den Opfercharakter der trident. Messe, in deren Texten ja reichlich von Opfer und opfern die Rede ist. Das "Messopfer" wird also reanimiert, eine Theologie, die den sakralen Priester unentbehrlich macht und ihn deutlich vom ordinierten Pastor der evangelischen Kirchen abhebt.

Damit kann man den Kreis noch weiter ziehen: Das Amtsverständnis, so heißt es fast gleichzeitig aus Rom, trennt die "Kirchen" unaufhebbar, da dieses Wesenselement der Kirche ist (-weniger wichtig wohl die ihren Glauben bekennende und ihren Herrn feiernde Gemeinde! -) und ebendeswegen sind die evangelischen Kirchen keine Kirchen! Man sieht, Rom handelt mit System; eines passt zum anderen.

(Nebenbei: Die Urkirche kam noch ohne diesen sakralen, opfernden Priester aus, s. Hebr.-Brief, und definierte Kirche auch nicht römisch-katholisch partikulär, sondern trotz aller Unterschiede katholisch, d.h. alle Gliedkirchen umfassend mit Christus als Haupt (und keinem päpstlichen Ober-Haupt)!)

2. Das Kirchenbild zielt auf die Wiederherstellung einer unbestrittenen Kleruskirche, die ja "oben" nie in Frage stand. Nicht mehr das Volk Gottes als die feiernde Gemeinde ist Subjekt, wie nach dem Vat.II verstanden, sondern der Priester feiert das Messopfer für die Gemeinde, die daran teilnehmen darf. Doch man kommt auch ohne Volk Gottes aus, denn im Text ist auch die Privatmesse des allein feiernden Priesters vorgesehen. (Welch ein Verständnis des "Abendmahls" Christi!!)

3. Im Vollzug der Eucharistiefeier findet eine Re-Ritualisierung statt gegen die Beteiligung der Gläubigen an der Dramatik des Geschehens. Anstelle eines inhaltlichen Mitgehens im Erinnern, einem Feiern der Gegenwart des Herrn und der Entfaltung christlicher Hoffnung tritt der geheimnisvolle Ritus, im besten Fall ein ästhetisches Erlebnis einer Minderheit; das "Volk" wird ausgegrenzt. (Ob wir nicht konsequenterweise auch einen Lettner fordern sollten?!)

4. Trotzdem: Es spricht auch einiges dafür, eine reformierte, dem theologischen Stand des II. Vatikanum entsprechende (condicio sine qua non!) lateinische Messe an einigen Tagen im Jahr, z.B. zum Weltmissionssonntag, an Epiphanie, bei internationalen Begegnungen oder bei lateinischer Kirchenmusik zu feiern. Sie kann so ein Ausdruck der weltumspannenden Einheit der Kirche sein. Und auch Ästheten, Intellektuelle, Traditionalisten , Musikliebhaber etc. sind Menschen, die mit ihnen wichtigen religiösen Ausdrucksformen und Bedürfnissen einen Platz in der Kirche haben sollen. Auch das gehört zu einer offenen, missionarischen, alle umfassenden (=katholischen) Kirche.