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31.05.2020
11.05.09

Kirche mit wenig Ausstrahlungskraft

Kategorie:
Nachrichten, Na Kirche im 21. Jahrhundert

von reinhold nöth

Zur Diskussion um den Papst

»Wir sind Papst«, so jubelten vor vier Jahren viele deutsche Katholiken, als Kardinal Josef  Ratzinger zum neuen Papst gewählt wurde. Ein deutscher Papst, das hat es seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben. Jetzt ist die Stimmung und das Ansehen des Kirchenoberhauptes ins Gegenteil gefallen. Er hat vier Bischöfen aus der erzkonservativen Piusbruderschaft die Türe zur Rückkehr in die Kirche geöffnet, ohne genau hinzuschauen, welch irre Ideen und Überzeugungen sie vertreten.

Der zunächst innerkirchliche Vorfall hat durch die Leugnung des Holocausts eines dieser vier Bischöfe auch politische Dimensionen bekommen. Weltweit richtet sich ein Sturm der Entrüstung und des Protestes gegen den Papst, vor allem die Juden, aber auch Politiker und selbst Bischöfe und das Kirchenvolk reagierten entsetzt und verlangten eine Rücknahme der päpstlichen Entscheidung. Viele treue Katholiken fragen sich verwundert oder fassungslos: Wie konnte das passieren? Warum haben die Berater des Papstes ihn nicht gewarnt, denn man weiß ja, wes Geistes Kind die Lefebvre-Anhänger sind.

Ja, leider scheint es im Vatikan große Kommunikationsdefizite zu geben. Die konservativen Vertreter der Kurie wie Kardinal Hoyos haben das Sagen, aufgeschlossene Mitarbeiter, wie der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, werden vorher nicht konsultiert und dürfen hinterher die Scherben zusammenkehren. Jetzt hat der Vatikan diese Praxis der mangelnden Kommunikation wieder bestätigt, als er gegen den Vorschlag der Diözese Linz und ohne Beratung mit Kardinal Schönborn einen neuen Weihbischof eingesetzt hat, der wegen seiner reaktionären Einstellung auf heftige Ablehnung stößt. Und so hat es leider in den vier Jahren unter Benedikt XVI. eine Reihe von Entscheidungen gegeben, die die Kirche wieder zurück in die Zeit vor dem II. Vatikanischen Konzil geführt haben: Denken wir an die Wiedereinführung der tridentinischen Messe in lateinischer Sprache, denken wir an die Abschaffung der Laienräte in der Diözese Regensburg, die auch durch Kardinal Hoyos damals bestätigt wurde. Auch im Bereich der Ökumene gab es schlimme Rückschläge: Die evangelische Kirche ist nach Auffassung des Vatikans, und das heißt ja auch des Papstes, »nicht Kirche im eigentlichen Sinn«. Benedikt XVI. hat auch wieder die alte Karfreitagsfürbitte neu aufgelegt und betet um die Erleuchtung und Bekehrung der Juden, worüber diese natürlich entsetzt sind.

Viele Katholiken fragen sich, warum geht der Papst nur auf diese konservativen Kreise zu, während es für fortschrittliche Theologen wie Küng, Drewermann, Bischof Gaillot oder Professor Hasenhüttl keine Versöhnungsbereitschaft gibt? Ähnliches gilt für die Vertreter der sog. Befreiungstheologie in Südamerika. Bis in die Seelsorge und Gemeindepastoral hinein sind die streng klerikalen Einschränkungen spürbar, wenn etwa theologisch gebildete Laien nicht predigen oder trotz Priestermangel nur geweihte Priester eine Pfarrei leiten dürfen. Wie kleinkariert und unversöhnlich die Maßnahmen der Amtskirche hier sind, zeigt sich auch daran, dass selbst engagierte Laien von der Mitarbeit in pastoralen Gremien ausgeschlossen werden, nur weil sie sich für »Donum vitae« einsetzen. Das alles klingt mehr nach Droh- als nach Frohbotschaft.

Der Papst hat sich für seine Begnadigung der Piusbruderschaft ein sehr denkwürdiges Datum ausgesucht. Am 25. Januar 1959, also genau vor 50 Jahren, hat Papst Johannes XXIII. die Einberufung des II. Vatikanischen Konzils bekanntgegeben. Daran hat (sich) Benedikt XVI. leider nicht erinnert. »Gaudium et spes«, d.h. »Freude und Hoffnung« ist ein wichtiges Dokument dieses Konzils überschrieben. Freude und Hoffnung wollte das Konzil der Kirche und den Gläubigen vermitteln. Von dieser Aufbruchstimmung ist heute leider wenig in der Kirche zu spüren, eher herrschen Pessimismus und Angst. Kein Wunder, dass die Kirche so wenig Ausstrahlungskraft für die Menschen von heute hat. Lassen wir uns in unserer Gemeindeseelsorge nicht von diesem Trauerspiel anstecken!