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20.10.2019
20.09.13

Pfarreiengemeinschaften - zurück in die Zukunft?

Kategorie:
Na Kirche im 21. Jahrhundert, Na Der Münnerstädter Kreis, Na Pfarrgemeinde - Gemeindezusammenlegungen, Nachrichten

von Frithjof Ringler

Welch gewaltiger Aufbruch liegt hinter uns! Sollten doch binnen kurzer Zeit kleine bis große Pfarreiengemeinschaften entstehen. Und alle Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen taten voller Eifer ihre Pflicht und engagierten sich im Zurechtzimmern der Pfarreiengemeinschafts-verträge. Natürlich wurden die großartigen Möglichkeiten des Glaubensaufbruchs und der Synergieeffekte, die sich zwangsläufig ergeben sollten, beschworen. Was weniger gesagt, aber im Stillen gewusst wurde, war der Umstand, dass das ganze Unternehmen von oben aufgezwungen war und durchaus nicht den Bedürfnissen der meisten Gemeinden, geschweige denn der Gläubigen und betroffenen Priester entsprach.

Der Priestermangel lässt sich auf diese Weise, das sieht man jetzt endlich deutlicher, nicht beheben - nun sind schon diverse Pfarreiengemeinschaften ohne Priester! Doch an eine Änderung der Zugangsbedingungen zum Priesteramt oder eine grundlegende Neuorientierung der Kirche, um das biblisch begründete Recht der Gemeinden auf Eucharistiefeier zu gewährleisten, ist nicht zu denken. Fassen wir also immer größer werdende Großgemeinden mit immer weniger Priestern ins Auge und -  immer weniger Gläubigen! Machen wir uns nichts vor: Wenn keine seelsorgerlichen Bezugspersonen mehr greifbar sind, Gottesdienste nur noch ab und zu stattfinden und der »Service« vor Ort nicht mehr stimmt, dann ist das eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Priesterproblem zu lösen. Denn wenn kaum mehr Gläubige da sind, braucht man auch keine Priester mehr, und für die wenigen Gläubigen, die doch noch bleiben, reichen dann vielleicht die wenigen übrig gebliebenen Priester, die durch Riesengebiete eilen, um Gottesdienste zu feiern.

Doch noch ist es nicht so weit. Die anfängliche Euphorie ist verflogen; der Alltag in den Pfarreiengemeinschaften ernüchtert, manches geht auch gut. Und es scheint sich, auch bei der Obrigkeit, langsam der Wind zu drehen - hoffentlich!
»Bleibt alles anders? Wenn die Geduld zu Ende geht...«, so ist eine Tagung der Diözese Würzburg überschrieben. Da ist die Rede von unbesetzten Pfarreien, dem gewandelten Ehrenamt (Was wandelt sich da oder hat sich gewandelt?), von mündigen Frauen und Männern und kompetenten Laien. »Aus Liebe zur Kirche müssen wir neue Wege gehen und Experimente wagen. Glaubensweitergabe im 21. Jahrhundert braucht neue Strukturen.« - so heißt es da. Aufgefordert wird, sich über neue Ansätze von Kirche in Deutschland auszutauschen und neue Formen der Seelsorge und teambezogene Leitungsformen zu erkunden.

Es tut sich also etwas. Und das wird offensichtlich auch von »oben« zur Kenntnis genommen. Welche Folgerungen dann gezogen werden, weiß keiner; ich habe aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Während noch unlängst von »oben« ein gemeinsamer Pfarrgemeinderat erwartet (gefordert) wurde, ist es - oben wie unten - still darum geworden. Sollte man gemerkt haben, dass es wichtig ist, vor Ort kompetente und glaubwürdige Vertrauenspersonen zu haben, die man ansprechen kann - damit die Gemeinde ein Gesicht hat und lebendig bleibt? Das könnten Pfarrgemeinderäte/innen sein oder Pfarrbeauftragte oder.... Und wird langsam begriffen, dass ein Kleriker total überfordert ist, wenn er (wie bisher) allein für alles zuständig ist und nicht in einem Team von Gleichberechtigten arbeiten kann? Wie eine derartige Pastoral schon heute aussehen könnte, zeigt der Vorschlag des Münnerstädter Kreises zum Dialogprozess (nachzulesen hier im Archiv s.v. Der Münnerstädter Kreis, Gemeinden sind Subjekt der Pastoral).

Für eine heute überfällige Reform scheint mir dieser Vorschlag durchaus geeignet. Langfristig ist es indes wohl unumgänglich, wirklich Grundlegendes zu ändern. Manche Gemeinden, Männer und Frauen, fangen schon jetzt damit an. Im Vertrauen auf Gottes Zusage, besiegelt in der Taufe, nehmen sie ihre Sache wie in der Urkirche selbst in die Hand und wagen es dabei sogar, Eucharistie zu feiern - priesterlos wie die frühen christlichen Gemeinden. Kirche kann sich auch von unten erneuern!! »Der Geist weht, wo er will.«