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20.10.2019
08.10.06

Zu den Leserbriefen betreff "Donum Vitae" im Kath. Sonntagsblatt der Diözese Würzburg am 3.9. und 24.9.06

Kategorie:
Na Donum Viae

von theophilus

Ein Antwortversuch nach Mk 3,1-6 und Lk 13,10-17 (zum Nachlesen empfohlen)

Die Situation ist nicht die gleiche, aber vergleichbar. Es geht jeweils um eine extreme menschliche Notsituation - damals und heute - und die Entscheidung, ob man dem Nächsten in seiner Angst und Not (z.B. bei einer ungewollten Schwangerschaft) beisteht und dabei scheinbar auch "das Gesetz" "verdunkelt" oder ob man ihm diese Hilfe in moralischer Selbstgerechtigkeit verweigert und ihn allein lässt.

Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit 18 Jahren krank (analog: voller Chaos, Angst und Verzweiflung) war. Und sie gaben acht, ob Jesus am Sabbat heilen würde, denn sie suchten einen Grund zur Anklage gegen ihn. Als Jesus die Frau sah, rief er sie zu sich und sagte: "Frau, Du bist von deinem Leiden erlöst". Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott.

Der Synagogenvorsteher war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten etwa folgendes: "Das, was dieser Jesus tut, verstößt gegen Gottes Gebot und ist zu unterbinden. Es liegt mir fern, ihm den guten Willen abzusprechen, Leben retten zu wollen. Doch in der Lehre unserer Kirche findet die verpflichtende Lehre unseres Herrn ihren konkreten Ausdruck. Und diese Richtlinien sind unter allen Umständen zu halten. Schließlich darf das Zeugnis unserer Kirche durch eine Praxis, die Gottes Gebot unter dem Vorwand menschlicher Hilfe in Frage stellt, nicht verdunkelt werden. Er beruft sich auf sein Gewissen! Als ob sich nicht schon viele auf ihr Gewissen berufen und damit Untaten vollbracht hätten! Das Gewissen ist keine autonome und ausschließliche Instanz, um zu entscheiden, was gut und böse ist. Ihm ist vielmehr ein Prinzip des Gehorsams gegenüber der objektiven Norm eingeprägt, die unsere Kirche lehrt. Wer dagegen verstößt, der muss exkommuniziert werden."

Jesus aber erwiderte ihm: "Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber sollte am Sabbat nicht von ihren Leiden befreit werden dürfen?" Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz...