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20.10.2019
16.11.10

Falscher Begriff von Freiheit

Kategorie:
Nachrichten, Na Kirche im 21. Jahrhundert, Na Toleranz - Gewissen

von reinhold nöth

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Schon ein Vorgänger von Prof. Ernst am Lehrstuhl für Moraltheologie in Würzburg, Prof. Alfons Auer, hat mit seinem Buch »Autonome Moral und christlicher Glaube« (1971) den Grundstein für ein neues Verständnis christlicher Moral gelegt. Er beruft sich auf das II. Vatikanische Konzil (1962 - 65), vor allem auf die Pastoralkonstitution »Gaudium et spes«, die von einer »Autonomie der irdischen Wirklichkeiten« ausgeht und einen Dialog der Kirche mit der Welt und den humanen Wissenschaften fordert, um »die Welt, in der wir leben, (...) zu erfassen und zu verstehen«. Jeder Mensch ist mit Vernunft begabt und für sein Leben selbst verantwortlich. Er ist nicht nur Befehlsempfänger der kirchlichen Obrigkeit, sondern hat ein eigenes Gewissen und eine eigene Verantwortung, die ihm niemand nehmen kann. Auch für die Kirche ist das persönliche Gewissen die oberste Instanz seiner moralischen Entscheidungen. Und natürlich ist für den gläubigen Christen der Glaube dabei ein wichtiger Maßstab für sein Tun und Handeln. Vernunft, Gewissen und Glaube, das sind die Grundelemente einer autonomen Moral.

Prof. Auer hat sich in seinem Buch auch gegen die Enzyklika »Humanae vitae« (1968) gewandt, so wie es auch die deutschen Bischöfe vor 40 Jahren getan haben. Die Folgen dieser Enzyklika und der ganzen kirchlichen Sexualmoral sind verheerend. Die Glaubwürdigkeit der Kirche leidet gerade unter dieser falschen Moral, die die menschliche Sexualität mehr mit Sünde als mit Liebe verbindet und die heute auch von kirchentreuen Christen - Priester und Seelsorger eingeschlossen - nicht mehr akzeptiert wird.

Wer meint, »Humanae vitae« wieder zum Maßstab der christlichen Moral erheben zu müssen, fällt in einen religiösen Fundamentalismus zurück, der völlig unzeitgemäß ist und hoffentlich von keinem Theologieprofessor noch jungen Menschen indoktriniert wird.