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27.09.2020
29.01.09

Gedanken zur Aufhebung der Exkommunikation der von Lefebvre geweihten Bischöfe

Kategorie:
Na Kirche im 21. Jahrhundert, Na Restauration in der kath. Kirche, Na Röm.-kath. Kirche, Na Ökumene, Nachrichten

von matthias lotz

Eigentlich hat es mich nicht sonderlich verwundert, als ich gelesen habe, dass Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation gegen die Bischöfe, die von Erzbischof Lefebvre geweiht wurden, aufgehoben hat. Dennoch ist die Frage erlaubt, was den Papst bewogen hat, führende Persönlichkeiten einer Gruppe von Leuten, die die Lehre der katholischen Kirche, wie sie auf dem 2. Vatikanischen Konzil fortgeschrieben wurde, und alle seitherigen Päpste in der Vergangenheit nicht anerkannt haben, d. h. die sich offenkundig im Schisma befanden, nun ohne Vorbedingungen wieder zur Vollmitgliedschaft in der katholischen Kirche zuzulassen.

Nach eigenem Bekunden hat Papst Benedikt diesen Schritt getan aus Sorge um die Einheit der Kirche. Müsste ihn die gleiche Sorge dann nicht auch dazu  bewegen, die Exkommunikationen, Lehrverbote und Suspendierungen  z. B. von Bischof Gaillot, der Professoren Drewermann, Hasenhüttl oder Küng aufzuheben? Auch bei wohlwollender Betrachtung kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Einen barmherzigen und im Geiste des Evangeliums offenen Umgang mit abweichenden Meinungen in der Kirche finde ich sehr wünschenswert und notwendig - und zwar allen Seiten gegenüber und nicht nur im Hinblick auf traditionalistische Gruppierungen.

Die Ungleichbehandlung, die sich  hier offenkundig zeigt, ist noch unerträglicher angesichts der Verharmlosung der Judenverfolgung durch Bischof Williamson. Es wäre unredlich, Papst Benedikt zu unterstellen, dass er diese Äußerungen billigen würde. Dennoch ist es ein verheerendes Zeichen für die ganze katholische Kirche, wenn ein Schismatiker und Leugner des Holocaust in die Kirche zurückgeholt wird, ohne dass er seine Einstellung geändert oder seine Äußerungen revidiert hat.

Noch einmal: Barmherzigkeit im Umgang mit anderen Meinungen und Ansichten - ja, aber nicht nur gegenüber dem rechten bzw. traditionalistischen Spektrum und nicht um den Preis der Unbarmherzigkeit gegenüber den Opfern der Schoah.

Matthias Lotz, Pfarrer Güntersleben