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27.05.2020
11.06.10

Reue statt Selbstverteidigung

Kategorie:
Nachrichten, Na Kirche im 21. Jahrhundert, Na Röm.-kath. Kirche

von reinhold nöth

»Es ist die schwerste Belastung der Kirche, seit ich denken kann«, so beurteilt der Präsident des ZdK Alois Glück die gegenwärtige Kirchenkrise. Und fast täglich kommen neue Fälle von Kindesmissbrauch und körperlicher Misshandlung ans Tageslicht.

Die meisten deutschen Bischöfe haben an den Kar- und Ostertagen ihr Entsetzen, ihre Trauer und Reue deutlich zum Ausdruck gebracht. Doch leider gab und gibt es von kirchlicher Seite  immer wieder Vorwürfe gegenüber den Medien, dass sie übertrieben und mit Schadenfreude berichten. Gleich zu Beginn warf Bischof Müller aus Regensburg der Presse eine »Kampagne gegen die Kirche« vor mit dem Ziel, »die Kirche um ihren guten Ruf zu bringen«. Auch Bischof Mixa wehrt sich heftig gegen die Anschuldigungen, als Pfarrer von Schrobenhausen Heimkinder geschlagen zu haben. Er habe »ein reines Herz«, die Vorwürfe seien »absurd, unwahr und erfunden«, um den Bischof zu diffamieren.

Weltweite Bestürzung haben Reaktionen aus dem Vatikan ausgelöst. Der Kardinalsdekan Angelo Sodano eröffnet den Ostergottesdienst des Papstes mit einer Erklärung, die Kirche lasse sich nicht »vom unbedeutenden Geschwätz dieser Tage beeinflussen«. Jetzt hat er in der Vatikanzeitung dies noch einmal bekräftigt und wieder mit einem antisemitischen Zusatz verbunden. Schon am Karfreitag hatte der Hausprediger des Papstes Cantalamessa für Aufregung gesorgt, als er die Vorwürfe gegen die Kirche mit den »schändlichsten Aspekten von Antisemitismus« verglich.

Die Kirche hat in den letzten Wochen massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Täglich wächst das Misstrauen und die Entfremdung bei vielen Menschen, die Kirchenaustritte häufen sich. In dieser Phase sind, wie Generalvikar Dr. Hillenbrand sehr richtig bemerkt hat, »reflexartige Abwehrreaktionen oder gar das Entwickeln von Verschwörungstheorien nicht hilfreich«. Verschweigen, vertuschen oder ignorieren wird nicht mehr akzeptiert. Da hilft es nur, mit »Scham und Erschütterung«, so Hillenbrand, die Fehler zuzugeben, Betroffenheit, Einsicht und Reue zu zeigen, um eine lückenlose Aufklärung zu ermöglichen. Nicht die Kirche ist das Opfer, sondern die missbrauchten Kinder und Jugendlichen. Ihnen muss die ganze Sym-pathie, d.h. Mitleid und Fürsorge gelten. Selbstverteidigung ist fehl am Platz und verschlimmert nur den Schaden für die Kirche.