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11.12.2017
05.11.06

Braucht die Kirche ein drittes Vatikanisches Konzil?

Kategorie:
Na Kirche im 21. Jahrhundert

von michael hanft und matthias lotz

Eine besondere Chance für die Kirche(n) Jesu Christi im 21. Jahrhundert wäre die Einberufung eines III. Vatikanischen Konzils.

 

Begründung:

Obwohl die Menschheit wirtschaftlich und technologisch weit fortgeschritten ist, hungern noch immer rund 800 Millionen Menschen, täglich sterben ca. 20.000 Menschen an Unterernährung und an Krankheiten, die einfach zu bekämpfen wären. Die katholische Kirche darf nicht aufhören, diesen Skandal anzuprangern.

Krieg ist schon längst kein Mittel mehr zur Lösung zwischenstaatlicher Konflikte. Ein neuer Papst könnte sich besonders auch für den Frieden im Nahen Osten engagieren.

Die Begeisterung gerade auch vieler Jugendlicher für Benedikt XVI. und seinen Vorgänger Johannes Paul II. darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Jugendliche in Westeuropa und Nordamerika an der Kirche vor Ort desinteressiert sind. Viele Kirchengemeinden sind überaltert, vor allem in Bezug auf den sonntäglichen Gottesdienstbesuch. Wenn eine Gemeinde vom Ordinariat Post bekommt, die einen Kirchenaustritt meldet, handelt es sich in den meisten Fällen um einen nach 1970 geborenen Gläubigen.

 

Ein drittes vatikanisches Konzil und der neue Papst stehen deshalb auch vor der Herausforderung innerkirchlicher Reformen:

 

a) Zu prüfen ist die Abschaffung des Pflichtzölibats.

Im Bistum Würzburg sind von rund 450 aktiven Priestern über 200 älter als 70 Jahre. In vielen anderen Bistümern ist die Situation ähnlich. D.h. in den kommenden Jahren, wenn die Ruhestandspriester nicht mehr aushelfen können, wird die Situation des Priestermangels erst deutlich spürbar werden. Der Zölibat für die Priester ist kein ausdrücklicher Wille Jesu, sondern eine im Laufe der Kirchengeschichte gewachsene Tradition, die durchaus revidierbar ist: Petrus selbst war bekanntlich verheiratet (Mk 1,30), ebenso wie die meisten Priester und viele Bischöfe in den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. In den evangelischen und reformierten Kirchen und in der orthodoxen Kirche, mit denen eine enge ökumenische Verbundenheit besteht, wirken verheiratete Priester erfolgreich und werden als solche von den Gemeinden akzeptiert.

 

b) Synodale Elemente

In unserer Pfarreiengemeinschaft machen wir die Erfahrung, dass es hilfreich und gut für die Entwicklung der Pfarreien ist, wenn die Pfarrgemeinderäte echte Entscheidungen treffen dürfen (z. B. in Bezug auf die Gottesdienstordnung, die Gestaltung der Firmvorbereitung usw.). Eine Stärkung der synodalen Elemente auf allen Ebenen der Kirche gibt dem Hl. Geist unseres Erachtens neue Spielräume und bringt neuen Schwung in die Kirche und bei der Verkündigung des Evangeliums. In unserem Bistum hat das Dialogprojekt »Wege suchen im Gespräch« in den 90er Jahren in vielen Gemeinden eine Aufbruchstimmung geschaffen. Wir hoffen darauf, dass Bischof Friedhelm diesen Weg fortsetzen wird und vertrauen auf die Geistesgaben vieler Gläubiger.

 

c) Frauen in der Kirche

Die Würzburger Synode hat sich für den Diakonat der Frau ausgesprochen. Diese Position vertritt auch der MÜKR. Die entsprechende Anfrage der Dt. Bischofskonferenz nach Rom zur Einführung des Diakonats der Frau wurde nach dem Tod Kardinal Döpfners nach unserem Kenntnisstand niemals beantwortet. In der Urkirche und in der frühen Kirche gab es herausragende Diakoninnen (z.B. Phoebe, Röm 16,1-3) und auch Frauen, die Hausgemeinden leiteten (Chloe 1 Kor 1,11; Priska, gemeinsam mit ihrem Mann Aquila Röm 16,3-5). Die anglikanische Kirche weiht seit 11 Jahren langjährig in den Gemeinden engagierte Frauen zu Priesterinnen, die in der Seelsorge Beachtliches leisten. Freilich muss ein neuer Papst auch auf die Einheit der Kirche bedacht sein. Ob Frauen auch in afrikanischen oder asiatischen Ländern als Priesterinnen akzeptiert würden, können nur die dortigen Bischöfe sicher beurteilen.


d) Interreligiöser Dialog

Hier hat Papst Joh. Paul II. Meilensteine gesetzt, wie z.B. das bekannte Friedensgebet der Religionen in Assisi 1986. Eine Fortsetzung dieses Dialogs wäre gerade in der heutigen weltpolitischen Situation ein gar nicht hoch genug zu schätzender Beitrag für den Frieden.

 

Der Weg zu einer zeitgemäßeren Kirche,
- "die Vertrauen der Angst vorzieht,
- die ebenso Mutter wie Vater,
- ebenso männlich wie weiblich ist,
- Gottheit als die Quelle aller Dinge versteht,
- den ursprünglichen Segen, von dem alle Menschen stammen, anerkennt, ...
(Matthew Fox)"
sollte im großen Kontext eines neuen ökumenischen Konzils gesucht werden.